Der Businessplan für die Bank

Das Erstellen von Businessplänen ist eine zentrale Aufgabe des Gründercoaches. Dabei stehen Existenzgründerberater jedoch immer wieder vor dem Dilemma, dass es oft gar nicht darum geht, die künftige Realität möglichst wahrheitsgetreu abzubilden. Das Ziel ist vielmehr, das Eintreten einer bestimmten Situation glaubhaft darzustellen und die Erwartungen desjenigen zu erfüllen, der den Geschäftsplan zu bewerten hat. In der Regel ist es deshalb erforderlich, drei verschiedene Businesspläne zu erstellen:

Für die Bundesagentur für Arbeit
Bei der Beantragung des Gründungszuschusses muss eine Rentabilitätsvorschau eingereicht werden, die einen Zeitraum von ein bis zwei Jahre umfasst. Das darin ermittelte Betriebsergebnis (Gewinn aus Einnahmen/Erlöse minus Aufwendungen) muss ein stetiges Wachstum nachweisen, andernfalls könnte es bei der Bewilligung des Zuschusses zu Problemen kommen. Also ist es erforderlich, eine entsprechende Rentabilitätsvorschau zu kreieren und diese mithilfe der beiden Stellschrauben Einnahmen und Ausgaben so lange zu justieren, bis die Zahlen den Anforderungen der Agentur für Arbeit gerecht werden.

Für die Krankenversicherung
Bei der Rentabilitätsvorschau für die Krankenkasse ist es hingegen das Ziel, die Gewinne möglichst klein und dabei trotzdem realitätsnah zu halten. Denn die Krankenkassen nehmen die prognostizierten Gewinne aus der Rentabilitätsvorschau als Grundlage zur Berechnung der Krankenkassenbeiträge. Werden die Gewinne zu hoch eingeschätzt, steigen damit die Krankenkassenbeiträge, doch die zu viel gezahlten Beiträge werden nicht zurückgezahlt. Im umgekehrten Fall müssen Existenzgründer jedoch nachzahlen, wenn Sie ihren Gewinn zu niedrig prognostiziert haben.

Für die Bank
Der Businessplan für die Bank ist sicher der anspruchsvollste und wichtigste, da auf Grundlage dieses Plans über Bankkredite und ggf. über die KfW-Förderung entschieden wird. Die Bank verschafft sich aufgrund des Businessplans einen Eindruck sowohl vom Gründer als auch von seiner Geschäftsidee. Überzeugend ist dabei natürlich eine realistische und nachvollziehbare Darstellung der Geschäftsidee und der prognostizierten Geschäftsentwicklung über die nächsten drei Jahre. Jeder Geschäftskundenbetreuer einer Bank wird einen besonders kritischen Blick auf die Rentabilitätsvorschau werfen und Widersprüche oder plumpe Beschönigungen rasch erkennen. Deshalb müssen als Grundvoraussetzung natürlich alle Zahlen stimmen und unrealistische, überzogene Prognosen vermieden werden. Der inhaltliche Aufbau eines Businessplans für die Bank sollte einer klaren Struktur folgen und umfasst folgende Punkte:

  1. Deckblatt: übersichtlich gestaltetes Deckblatt, auf dem alle wichtigen Grundinformationen auf einen Blick zu erfassen sind (Name, Anschrift und Kontaktdaten des Unternehmers, Bezeichnung der zu finanzierenden Unternehmung, ggf. gesonderter Ansprechpartner)
  2. Zusammenfassung und Ausblick: eine Kurzdarstellung (maximal eine Seite) der Geschäftsidee und ein Ausblick auf die mittel- und langfristigen Perspektiven  des Unternehmens
  3. Unternehmen und Person: eine prägnante Beschreibung des Unternehmens und des Unternehmers, seiner beruflichen Erfahrungen, Qualifikationen, Kompetenzen
  4. Geschäftsidee: ausführlichere Darstellung der Geschäftsidee
  5. Produkt/Dienstleistung: nachvollziehbare und prägnante Beschreibung des angebotenen Produkts/der angebotenen Dienstleistung
  6. Markt, Zielgruppe, Konkurrenz: Beschreibung der Markt- und Konkurrenzsituation sowie der angestrebten Zielgruppe und des konkreten Nutzens, den die Geschäftsidee dieser Zielgruppe verspricht
  7. Standort: kurze Beschreibung des Geschäftssitzes
  8. Marketing und Vertriebsplanung: Darstellung des Marketingkonzepts, der Kommunikationsstrategie und der Vertriebsorganisation
  9. Organisation und Personal: kurze Darstellung der Geschäftsorganisation, des Zeitplanes für die Realisierung der Geschäftsidee und des geplanten Personaleinsatzes
  10. Chancen und Risiken: Erläuterung und Bewertung der Chancen und Risiken der Unternehmung
  11. Finanzplanung: detaillierte Darstellung und Erläuterung der erwarteten Einnahmen/Erlöse und Aufwendungen (z. B. für Material, Personal, Miete, Versicherungen, Abgaben, Beratungskosten, Buchführung, Werbekosten etc.), Umsatzprognose (Gewinn-und-Verlust-Rechnung) für die nächsten drei Jahre, Liquiditätsplan für die nächsten drei Jahre, Aufstellung des Finanzbedarfs, Erläuterung des Finanzierungsbedarfs
  12. Anlagen: Kopien sämtlicher relevanter Unterlagen, Nachweise, Verträge etc., Zins- und Tilgungsplan, Lebenslauf des Unternehmers, ggf. Eintragung ins Handelsregister, in die Handwerksrolle etc.

Der Umfang des Businessplans für die Bank variiert natürlich von Unternehmen zu Unternehmen. Zur Orientierung empfehle ich jedoch, dass die Teile 2 bis 10 insgesamt etwa 10 bis 15 Seiten umfassen sollten; die Darstellung der Finanzplanung sollte möglichst nicht länger als 20 Seiten sein.

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