Wie positioniere ich mich als Gründercoach?

In meinem Beitrag „Eine optimale Marktpositionierung ist unverzichtbar“ habe ich die Engpasskonzentrierte Verhaltens- und Führungsstrategie (EKS®) von Wolfgang Mewes vorgestellt. Heute möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie als Gründercoach das entsprechende Sieben-Phasen-Programm konkret anwenden können, um sich optimal zu positionieren.

In der 1. Phase geht es darum, einen klaren Überblick über die eigene Ist-Situation zu bekommen und ein Bewusstsein für die eigenen Stärken und Kernkompetenzen zu entwickeln. Machen Sie also als Erstes eine Bestandsaufnahme:

  • Über welche Qualifikationen verfügen Sie? Dazu zählen Berufsausbildung, Studium, Weiterbildungen, Zertifikate, Sprach- und Fachkenntnisse etc.
  • Was sind Ihre beruflichen Stärken, worin sind Sie besonders gut und welche Aufgaben übernehmen Sie gern? Sind es eher die betriebswirtschaftlichen Aspekte einer Existenzgründung oder die zwischenmenschlichen Herausforderungen wie Motivation, Ideenfindung oder Durchhaltevermögen des Klienten? Oder sind Sie ein besonders begabter Konzeptentwickler oder exzellenter Verhandler?
  • Und worin liegen Ihre persönlichen Stärken? Haben Sie ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Geduld? Oder sind Sie der Tüftler, der auch die kniffligsten Problemstellungen löst? Oder sind Sie jemand, der sich schnell und mit viel Elan in neue Aufgabenbereiche einarbeiten kann?
  • Auch Ihre beruflichen und persönlichen Schwächen müssen Sie sich vor Augen führen. Wo liegen Ihre Schwachstellen? Welche Qualifikationen und Kenntnisse fehlen Ihnen (noch)?

In der 2. Phase gilt es, herauszufinden, welches Geschäfts- bzw. Aufgabenfeld den meisten Erfolg verspricht. Da man bekanntermaßen in den Bereichen die besten Leistungen erbringt, in denen man gut ist, ist es sinnvoll, sich hier an den eigenen Stärken und Fähigkeiten zu orientieren. Wenn Sie also ein guter Verhandler und zudem auch noch versiert in Finanzierungsfragen sind, dürfte das Geschäftsfeld „Umgang mit Banken und Investoren“ für Sie sehr lohnend sein. Oder wenn Sie mit guten und unkonventionellen Ideen glänzen und gut darin sind, um die Ecke zu denken, dann wäre eine Spezialisierung auf das Entwickeln von Geschäftsideen denkbar.

Die 3. Phase nutzen Sie, um die Zielgruppe zu ermitteln, die den meisten Erfolg verspricht. Je schärfer Sie diese Zielgruppe umreißen können, umso besser. Überlegen Sie sich einerseits, welche Zielgruppe das meiste geschäftliche Potenzial enthält. Denken Sie andererseits auch darüber nach, zu welcher Zielgruppe Ihre persönlichen Stärken, Interessen und Ambitionen am besten passen. Ich selbst habe zum Beispiel bei den Gründercoaches – also bei meinen (zukünftigen) Kollegen – meine ideale Zielgruppe gefunden. Hier kann ich meine langjährigen Erfahrungen in der Beratung und meine Stärken optimal einsetzen und meine eigenen beruflichen Ambitionen verfolgen. – Welche Gruppe von Existenzgründern ist Ihre ideale Zielgruppe? Denkbar wären zum Beispiel:

  • Handwerker oder Dienstleister oder Kleingewerbetreibende
  • Medienberufe
  • Gründungen im Bereich der erneuerbaren Energien
  • Firmen im Bereich Forschung und Technik
  • die Gruppe der Berufsanfänger oder die der Wiedereinsteiger
  • diejenigen, die sich nicht mit Formalitäten herumschlagen wollen
  • diejenigen, die Hilfe bei betriebswirtschaftlichen/finanziellen Fragen brauchen
  • diejenigen, die konzeptionelle Unterstützung brauchen
  • und viele andere mehr

In der 4. Phase ermitteln Sie das wichtigste Problem, den entscheidenden Engpass Ihrer Zielgruppe. An welcher Stelle braucht meine Zielgruppe die meiste Unterstützung? Welches Fachwissen fehlt meinen potenziellen Klienten? Wo drückt der Schuh am meisten? Ob es die Abneigung gegen Behördengänge, das fehlende buchhalterische Wissen, die mangelnden Rechenkünste oder die Suche nach konzeptionellen Ideen ist – der Engpass, das stärkste Bedürfnis Ihrer Zielgruppe ist der zentrale Aspekt, auf den Sie Ihre Geschäfts- und Positionierungsstrategie konzentrieren sollten.

Die 5. Phase reagiert direkt auf die Ergebnisse der 4. Phase, denn jetzt entwickeln Sie die passende Lösung, die auf den Engpass Ihrer Zielgruppe eingeht. Dank Ihrer speziellen Lösung wird der Existenzgründer entlastet und Sie werden unersetzbar für Ihre Zielgruppe. Entwickeln Sie zum Beispiel einen detaillierten und systematischen Standardfragebogen für Ihre Kunden, sodass Sie auf Grundlage der Antworten einen Businessplan verfassen können. Dem Klienten fällt es oft leichter, konkrete Fragen zu beantworten, als seine Geschäftsidee umfassend auszuformulieren. Und anhand des Fragebogens erkennen Sie und Ihr Klient auch leicht, an welchen Stellen ggf. noch Klärungsbedarf besteht.

In der 6. Phase widmen Sie sich den Fähigkeiten und Kompetenzen, die nicht zu Ihren Stärken gehören, bei der Begleitung der Existenzgründer jedoch wichtig sind. Hierfür suchen Sie sich Kooperationspartner und bauen sich ein tragfähiges Netzwerk auf, sodass Sie bei Bedarf stets auf externe Partner (zum Beispiel Rechtsanwälte, Steuerberater, Übersetzer, Webdesigner, Werbeagenturen, Fachleute aus der Branche Ihrer Klienten etc.) zurückgreifen können.

Die 7. Phase schließt den Prozess ab. Sie sind jetzt in der Lage, ein Grundbedürfnis Ihrer Zielgruppe dauerhaft, zuverlässig und in hoher Qualität zu lösen, sodass Sie in diesem Bereich die Marktführerschaft anvisieren können und zum bevorzugten Ansprechpartner für Ihre Zielgruppe werden.

 

 

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Ein Kommentar zu “Wie positioniere ich mich als Gründercoach?”

  1. Ihre Hinweise auf die EKS und Mewes kann man nur unterstreichen.

    Als Gründercoach, der viele KfW-Gründercoachings durchführt, setzte ich sowohl in Hinblick auf meine eigene Ausrichtung als auch die meiner Klienten unbedingt auf die EKS.

    Würden die Gründer bereits vor der Gründung diese Prinzipien beherzigen, brächte es weniger Gründercoachings.

    Viele Grüße

    Jörg Mann
    http://www.coach-fuer-unternehmer.com

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